Bericht: Engagement ist gefragt

Engagement ist gefragt

(Macher, Ausgabe April 2007)

Bürgerstiftung Bernkastel-Kues geht mit ersten Projekten an den Start

In anderen Bundesländern und Nationen sind Bürgerstiftungen bereits stark gesellschaftlich engagiert, in Rheinland-Pfalz gibt es noch Nachholbedarf.

Bislang sind im Land drei dieser besonderen Stiftungen aktiv, eine davon in Bernkastel-Kues. Benötigt werden Ideen, praktische Mitarbeit und auch kleinere Geldbeträge als Unterstützung.

Stiftungen sind nicht nur etwas für reiche Menschen oder große Konzerne, die mit freiem Kapital nachhaltig Sinnvolles tun wollen. Die so genannten Bürgerstiftungen, die vom Bundesverband Deutscher Stiftungen im Hinblick unter anderem auf ihre Transparenz hin geprüft und bei Erfüllung der Kriterien mit einem Gütesiegel versehen werden, sprechen genauso gut einzelne Bürger sowie kleine und mittelständische Unternehmen an: Für gesellschaftlich notwendige Projekte, die mit ihrer Unterstützung realisiert oder gefördert werden, braucht es auch die einmalige Einzahlung von kleineren Geldbeträgen oder die ehrenamtliche Bereitstellung von fachlichem, wirtschaftlichem und organisatorischem Know-how.

Nicht von oben herab

Die Initiative für die 2005 ins Leben gerufene und bereits zertifizierte Bürgerstiftung Bernkastel-Kues ging von Bürgermeister Ulf Hangert aus. der nach wie vor als Ansprechpartner für Interessenten, Koordinator und Vorstandsmitglied aktiv ist. “Die Gründung einer solchen Stiftung, deren Aktionen und Innenleben auf den Vorhaben und Anregungen aus der Bürgerschaft beruhen und nicht von oben herab beschlossen werden können, ist naturgemäß ein langfristiger Prozess”, erläutert er den Hintergrund, “dafür sind die realisierbaren Projekte sehr nachhaltig und so zu sagen für die Ewigkeit gedacht.”

Unterstützer können selbst mitbestimmen

Derzeit sind knapp 100 000 Euro als Stiftungskapital zusammengekommen. Zu den Stiftern gehören regionale Kreditinstitute ebenso wie ein Energieversorger, ortsansässige mittelständische Betriebe oder Einzelpersonen, “Wenn jeder Bürger nur einmal je 50 Euro in die Stiftung einbringen würde, hätten wir viel Geld für eine Arbeit, die letztlich allen zu Gute kommt, Wichtig ist, dass die Unterstützer selbst mitbestimmen können, wofür die Mittel ausgegeben werden, und dass sie vor Ort bleiben”, sagt Hangert und beschreibt damit den direkten Nutzen dieser Art, Bürgersinn zu praktizieren. Denn einen anonymen und kostenträchtigen Verwaltungsapparat gibt es bei der Bürgerstiftung nicht.

Zwei konkrete Projekte sind bereits an den Start gegangen: “Wir haben einen Ideenwettbewerb, an dem sich jeder beteiligen kann, wenn es um Jugend, Bildung, Umwelt oder andere soziale Themen geht, die generationenübergreifend, nachbarschaftlich oder als Förderung von Selbsthilfe gestaltet werden können”, sagt Hangert. Ideen für die ausgelobten dotierten Preise können bis Mitte Juni eingereicht werden. “Andere Bürgerstiftungen haben die Erfahrung gemacht, dass ein solcher Wettbewerb als Start der Stiftungsarbeit besonders sinnvoll und fruchtbar ist. Dafür müssen nicht bereits ausgefeilte Konzepte bei uns eingehen, sondern wir helfen genauso gern bei der weiteren Entwicklung und Ausformulierung von Ideen oder bei der Suche nach geeigneter Partnern zur Realisierung eines Projekts.”

Bereits erste Ergebnisse

Ein anderes bereits spruchreifes Vorhaben der Bürgerstiftung ist die Beschaffung von Defibrilatoren: Es handelt sich dabei um auch von Laien bedienbare, allerdings kostenaufwändige Geräte zur Sofortrettung bei Herzstillstand, die besonders in ländlichen Regionen dezentral installiert werden sollten, um die längeren Anfahrtszeiten der Rettungsfahrzeuge zu kompensieren. “Die Vorgespräche mit den niedergelassenen Ärzten haben hier bereits erste Ergebnisse gebracht”, sagt Hangert.

Für interessierte Bürger und Unternehmer, die sich aktiv und/oder mit Geld in der Bürgerstiftung engagieren wollen, steht er als Ansprechpartner zur Verfügung.

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